Secretaire à Abattant - Louis XV Schreibsekret
Secretaire à Abattant - Louis XV Schreibsekret

Secretaire à Abattant - Louis XV Schreibsekret

Frantz Rubestuck (Meister 1766)
Frankreich, um 1760 - 1770

Korpus Eichenholz,  dekoriert in Rotlack im „goût chinois” mit Pagoden und Figuren in exotischer Landschaft,
Marmorplatte „bréche d'Alep”

Gestempelt: « J. GRANDJEAN JME » als Händler
Maße: 147 cm  x 105 cm
x 40,5 cm

Der im dezenten Formkanon des Louis-Quinze gehaltene „Secrétaire à abattant” stammt aus der Werkstatt des circa 1722 in Westfalen geborenen Franz Rübestück, der sich als „ouvrier libre”, als Freiberufler, in dem Pariser Vorort Saint-Antoin niederließ und dort mindestens sieben Jahre tätig war. Später zog er in die Pariser Rue de Charenton.  Seinen Meisterbrief erhielt er 1766, verstorben ist er am 28.4.1785 in Paris.

Rübestück galt schon in seiner Zeit als äußerst geschickter, erfolgreicher und facettenreicher Ebenist mit einer umfangreichen Produktion, die die wechselnden Stilrichtungen des Ancien Régime im 18. Jahrhundert wiederspiegelt. Sein Möbelwerk ist umfassend,  Paneele und Sekretäre gehörten dazu, die er in den verschiedenen aktuellen Techniken ausführte. Einen Schwerpunkt legte Rübestück auf die Produktion der in seiner Epoche sehr begehrten Lackmöbel in der „Facon de la Chine”, ein Stilbegriff, der sich von den fernöstlich inspirierten, gemalten „Chinoiserien” mit See- und Teichlandschaften, Pagoden und Figurenstaffagen auf Lack herleitet, wie bei diesem „Secrétaire à abattant” in Rotlack-Bemalung. Der „Chinoiserien”-Dekor zitierte jedoch keineswegs konkrete Motive und Vorbilder aus der Reich der Mitte, sondern stand in der Motivbildung lediglich unter einem Einfluss aus China, dazu einem aus Indien, Japan, Indonesien und Vorderasien. Die einzelnen Motive und „Chinoiserie”-Kompositionen waren vielmehr Resultat der Phantasie des Künstlers und seiner Kenntnis der asiatischen Vorbilder. In Paris wurde auch der verwendete Lack selbst zu einer Kunstform erhoben und im höfischen Auftrag vollendet, so wie auch den dekorativen Details größte Aufmerksamkeit geschenkt wurde, zum Beispiel den Bronzebeschlägen. Während das signierte Möbel den Ebenisten benennt, gab es auf die Künstler, die sich dem Lack, den gemalten Chinoiserien und den kunstvollen Beschlägen mit Rocaille-Werk widmeten, nicht immer einen Hinweis.

Geheimnisvoll wie die Geschichte um die Lackkunst und Dekore des Möbels ist auch das Innenleben, dass sich erschließt, wenn der Aufsatz dieses Sekretärs geöffnet ist: Durch einen Mechanismus in der linken unteren Schublade lässt sich im Zentrum des Aufsatzes ein Geheimfach öffnen und wieder sicher schließen. Der zweiteilige Korpus des „Secrétaire à abattant” von Franz Rübestück wird mit der originalen „Brèche d´Alep”-Platte abgeschlossen. „Brèche d´Alep” gehörte in dieser Epoche zu den besonders beliebten und kostbaren Marmorsorten in der Ebenistenkunst. „Brèches” sind Marmorplatten, die aus verschiedenen Farben komponiert werden - der pyrenäische „Brèche d´Alep” hat einen gelblichen Basiston, dazu braune, rötliche,  graue und schwarze Fragmente, die ihm besondere Lebendigkeit verleihen.

Literatur:
Comte Francois de Salverte, Les Ebenistes Du XVIIIe Siècle, Paris 1934, S. 274/275.


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